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Samstag, 6. Oktober 2012

"Der Grundvorwurf, dass der WWF einigen der größten Umweltzerstörern der Erde als Grünwaschanlage dient, bleibt erhalten."



Bei der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Köln am 15.6.2012 ist der Versuch des WWF gescheitert, das Buch mit einer einstweiligen Verfügung verbieten zu lassen. Am 26. Juli 2012 haben sich der WWF, der Verlag und der Autor auf einen Vergleich geeinigt. Die Kernaussagen des Buches bleiben bestehen, in Details gibt es Veränderungen und Ergänzungen. Dem Leser geht nichts verloren, abgesehen von dem Interview mit der WWF-Mitarbeiterin Dörte Bieler, das im Buch nicht zitiert werden darf. Es ist aber weiterhin im Film: "Der Pakt mit dem Panda" zu sehen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt zum Vergleich - siehe HIER -

Schwarzbuch WWF

grüner Ablasshandel 
          ► Orang Utans oder: Schöner sterben mit dem WWF
          ► Tango mit Monsanto
          ►Operation Lock- Leichen im WWF-Keller
          ►Eis essen für den Regenwald 
          ►Mitglied Nr. 575- Der diskrete Club der 1001
          ►Die Rückkehr der weißen Jäger
          ►Häuptling Kasimirus Ende- Landraub in Papua
          ►Weltmacht WWF



Wenn der Naturschutz auf der Strecke bleibt - Greenwashing, Vetternwirtschaft und Co.
»Es ist leichter, in die Geheimnisse der CIA einzudringen als in die des WWF«, sagt Raymond Bonner, Enthüllungsjournalist der New York Times. Wilfried Huismann hat es trotzdem gewagt. Allen Widerständen der WWF-Führungsspitze zum Trotz hat er die Strukturen und Projekte der Umweltschutzorganisation unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis seiner Reise durch das grüne Empire des WWF ist erschütternd: Der WWF paktiert mit Energiekonzernen, die in Asien und Lateinamerika die letzten Regenwälder vernichten, um auf Soja- oder Palmölplantagen Biosprit zu produzieren. Ein gigantisches Geschäft, das die letzten natürlichen Ökosysteme der Erde gefährdet, Millionen Menschen von ihrem Land vertreibt und zu neuen Hungersnöten führt. Der WWF beteiligt sich an der Vertreibung von Eingeborenen aus den Wäldern Indiens und Afrikas – und er fördert die industrielle Landwirtschaft auf der Basis von Gentechnik. Der Panda des WWF genießt bislang das Vertrauen der Spender, doch er hat ein zweites Gesicht: Für Geld wäscht der WWF Umweltverbrechen der Industrie grün. 

(Buchbeschreibung)




Urteil gefällt: Der Film "Der Pakt mit dem Panda- was uns der WWF verschweigt" kann in seiner Langfassung von 43 Minuten wieder gesendet werden. Die Einstweilige Verfügungen gegen den SWR vom 16.5.2012 sind "in vollem Umfang aufgehoben, die Kosten trägt der WWF" (aus dem Urteil des Landgerichts Köln vom 26.9.2012) .



Montag, 1. Oktober 2012

Unter den Eliten finden sich Täter und Opfer


Genauer gesagt: Es finden sich Täter und Opfer, und es finden sich Opfer, die zu Tätern werden.
Jene, die beispielsweise die Gründung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft geplant und dann mit Geld ausgeführt haben und immer wieder neu mit Aktionen und mit Werbung füttern, das sind „Täter“.
Auch jene Verbände und einzelnen Unternehmen, Wissenschaftler und Publizisten, die die Privatisierung unserer Altersvorsorge geplant haben und durchzusetzen versuchen, sind Täter.

Aber was wären sie ohne Opfer, aus denen Handlanger werden? Die Propagandisten im Hintergrund brauchen Multiplikatoren aus den Reihen der deutschen Eliten, aus dem Bildungsbürgertum und den Medien, aus den Kirchen und den Parteien, aus der Wissenschaft und der Kunst.
Ohne diese Multiplikatoren aus den Kreisen der Eliten würden sie ihre Hegemonie nicht erreicht haben und schon gar nicht halten können.

Für die neoliberale Bewegung ist die programmatische Veränderung von SPD und Grünen von großer Bedeutung gewesen. Wäre die Veränderung dieser beiden ursprünglich als links geltenden Parteien nicht gelungen, dann hätten sich auch die konservativen Parteien dieser Ideologie nicht total geöffnet.

Den Medien kam bei dieser Veränderung von SPD und Grünen die Rolle des Hebels zu, getreu der Erkenntnis, dass die programmatische Entwicklung von Parteien wie auch von Medien miteinander verknüpft ist...

Eine andere wichtige Zielgruppe der neoliberalen Bewegung der Arbeitgeberfunktionäre sind die Kirchen. Vor nicht allzu langer Zeit waren sie noch entscheidende Fürsprecher für mehr soziale Gerechtigkeit....
Bei der katholischen Kirche gab es im Dezember 2003 eine neue Verlautbarung mit dem Titel „Das Soziale neu denken“. Daran mitgeschrieben hat der Kuratoriumsvorsitzende der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hans Tietmeyer.

Beide Kirchen signalisierten Zustimmung zu dem Reformkurs von Gerhard Schröder. Wie andere bürgerliche Kreise sind auch die Kirchen den Parolen zu den angeblich neuen Herausforderungen, zur Demographie und zur Globalisierung auf dem Leim gegangen.Möglicherweise besinnen sie sich noch. Vorerst aber sind sie mehrheitlich Opfer, die zu Tätern wurden.
(Albrecht Müller / „Macht Wahn“ - Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet / Knaur Verlag 2007)

Dienstag, 28. August 2012

Die Privatisierung des Atomkrieges


Die amerikanische Rüstungsindustrie war an der Neuformulierung der Nuklearwaffendoktrin nach den Anschlägen vom 11. September direkt beteiligt. Die geheime Zusammenkunft am Hiroshima-Gedenktag hatte die „Privatisierung des Atomkriegs“ in die Wege geleitet. Die Konzerne verdienen nicht nur Milliarden an der Entwicklung und Herstellung neuer Atombomben, sie sind auch direkt an der Formulierung der Rahmenbedingungen des Einsatzes von Atomwaffen beteiligt.
....
Unterdessen hatte das Pentagon schon eine umfassende Propaganda- und Öffentlichkeitskampagne eingeleitet, um der Bevölkerung den Einsatz von Atomwaffen zur „Heimatverteidigung“ schmackhaft zu machen. In einer bis zur Absurden verdrehten Logik wurden Atomwaffen als Mittel gepriesen, Frieden zu schaffen und „Kollateralschäden“ vermeiden zu helfen.
In diesem Zusammenhang hatte das Pentagon bekannt gegeben, „Mini-Nukes“ mit einer Sprengkraft von weniger als 5000 Tonnen TNT-Äquivalent seinen für die Bevölkerung „harmlos“, da die Explosionen unterirdisch stattfänden.
....
Die Miniatombomben wurden Ende 2003 vom amerikanischen Kongress gebilligt und gelten als „ungefährlich für die Zivilbevölkerung“. Nachdem diese Behauptung Eingang in die militärischen Planungen gefunden hatte, wurde sie in den Rang eines Dogma erhoben, das nicht mehr infrage gestellt oder kritisch diskutiert werden durfte.
Entscheidungen zum Einsatz dieser Atomwaffen werden auf der Grundlage dieser „wissenschaftlichen“ Bewertungen getroffen, die diesem Dogma, diese Waffen seien für die Zivilbevölkerung ungefährlich , zugrunde liegen.

Quelle: Michel Chossudovsky / Das Szenario eines Dritten Weltkriegs – Die geheimen Pläne des Pentagons zur Errichtung einer Neuen Weltordnung / Kopp Verlag 2012)

Freitag, 17. August 2012

Monopolfragen sind von jeher Freiheitsfragen


Bereits der Dominikaner und Kardinal der römisch-katholischen Kirche Thomas de Vio Cajetan OP – geboren 1469 zu Gaeta, gestorben 1534 in Rom – brandmarkte Monopole als einen Angriff auf die allgemeine Freiheit. Durch Monopole würden die Menschen gezwungen, höhere Preise zu zahlen, als es ohne Monopole der Fall wäre.
Da Geld eine Ware ist wie jede andere Ware auch, führen auch staatliche Geldmonopole dazu, dass die Menschen gezwungen werden, einen höheren Preis für ihr Geld zu zahlen, als es ohne Geldmonopole der Fall wäre. Ohne diesen staatlichen Zwang würden vermutlich nur wenige Menschen bereit sein, diesen höheren Preis für Geld zu zahlen.
Deshalb sind auch staatliche Geldmonopole ein Angriff auf die allgemeine, die für alle gleiche Freiheit.
Der einzelne Mensch kann nicht unabhängig von der nötigenden Willkür durch andere Menschen seine eigene Wahl treffen. Sowohl die Konsumentenfreiheit als auch die Produzentenfreiheit werden durch staatliche Geldmonopole verletzt.
...

Um 1859 schrieb Friedrich Wilhelm Raiffeisen:
Es schreit die ganze Welt nach Geld, und zwar nach möglichst billigem Gelde. Je leichter, je mehr und je billiger dieses erlangt wird, umso schlimmer werden die Zustände werden.“

Die Politik des billigen Geldes hat fatale Konsequenzen, wie die gegenwärtige Finanzkrise schmerzlich verdeutlicht. Wenn staatliche Zentralbanken die Krise wieder mit einer Niedrigzinspolitik bekämpfen, ist die nächste Blase vorprogrammiert.

(Sammelband: Im Schatten der Finanzkrise / Muss das staatliche Zentralbankwesen abgeschafft werden? Herausgeber: Peter Altmiks / Verlag OLZOG 2010 / 

Montag, 16. Juli 2012

... wie oft schon wurde der Euro nun gerettet?


Schauen wir unsere Wirtschaftskrise mal etwas genauer an. Wir haben in der EU eine erhebliche Überproduktion. In unserer Welt der Fülle und Überfülle werden 30% der Lebensmittel weggeworfen, noch bevor sie in den Markt gelangen. Und von den übrigen 70 % wird wieder ein unerträglich großer Teil in den Haushalten weggeschmissen. Das sind keine Zeichen einer Finanzkrise, sondern einer Wirtschaftssystemkrise.
Wir brauchen sicher eine Katastrophe, einen Durchbruch zu neuem Denken und Wirtschaften. So kann es vielleicht durch diesen Rettungsschirm wieder eine Zeit weitergehen, aber das sollte es gar nicht. Wir dürfen weder uns noch die Welt weiter so ausbeuten. Beim Schreiben von Peace-Food wie Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt? (GU) hab ich immerhin verstanden, dass es um soviel mehr als unsren persönlichen Speisezettel geht. Die Arbeit an meinem im August erscheinenden Buch „Der Seeleninfarkt zwischen Burn- und Bore-out? (Scorpio) hat mir nochmals klargemacht, wie fertig immer mehr Menschen sind. Es ist Zeit zum Aufwachen und Umkehren. He katastrophe´ ist griechisch und steht für die Umkehr und die Katastrophe . Wir haben die Wahl: wir können umkehren, persönlich und kollektiv, oder weiter ins Elend schliddern von einer Krisenintervention zur nächsten. Die Nachrichten werden immer langweiliger, wie oft schon wurde der Euro nun gerettet? Die Wirklichkeit schreit längst zum Himmel. Wir werden für dumm verkauft und dieser Sommer dürfte der Höhepunkt in dieser Posse sein.
(Dr. Ruediger Dahlke /Arzt, Psychotherapeut und Autor / Auszug seiner „Dahlke-Info“ vom Juli 2012)

Dienstag, 3. Juli 2012

Das Finanzsystem hat sich kriminalisiert

Ich klage an: J'accuse
Oscar-Preisträger“ Charles Ferguson (DokuFilm: „Inside Job“), der nun mit einem neuen Buch auf sich aufmerksam macht: Predator Nation.
Ferguson spricht denn auch von einer „räuberischen Elite“ die über wesentliche Teile der Wirtschaft und des politischen Systems entscheiden und an sich gerissen haben. Im Zuge dessen sind große Teile der Wirtschaftsdisziplin aufgelöst worden. In dem Buch untersucht der Autor die Wirtschaftsverbrecher, die politische Korruption in Amerika.

Im Interview mit Paris Match, sagt Ferguson:
Es wäre keine Übertreibung zu sagen, dass seit den 80er Jahren die meisten Teile des Finanzsektor kriminalisiert sind. Es hat sich dort eine „Industrie-Kultur“ entwickelt, die den systematischen Betrug toleriert und sogar unterstützt. Dieses Verhalten sei auch die Ursache der Hypotheken Blase „Subprime“ in der Finanzkrise von 2008, und letzteres die direkte Folge daraus.
Dabei im gleichen Zeitraum, verstärken die USA die Deregulieren der Märkte (und um die geht es ja in der Schmierkomödie), die das Finanzsystem noch leistungsfähiger machen sollen in Hinsicht: Weniger Hindernisse und damit weniger Verantwortung (die hat man jetzt den Dienern in der Politik in die Schuhe geschoben), bedeutet auch weniger Regeln = Annäherung an die absolute Macht.

Dabei wird immer mehr sichtbar, die Akzeptanz sich unehrlich verhalten zu dürfen. Und der Autor sagt dazu, es geht hier nicht um kleine bürokratische Regelungen mit Texten oder deren Umleitungen. Es geht hier um das absichtliche Verschweigen von finanziellen Transaktionen, diese wiederum begünstigen Terrorismus, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und die Verbreitung von Atomwaffen auf der ganzen Welt. Denn ohne diese kriminelle Ausrichtung und Motivation, würden wir nicht diese Krise mit dieser globalen Auswirkung haben.
Der Autor zeigt sich überrascht, deshalb, weil diese Extreme keinen Aufschrei auslösten.
Auf die Frage von Paris Match: Die US-Behörden?
Ferguson erklärt dies so.
Die US-Weltmacht hat nach den Anschlägen vom 11. September alle Werkzeuge benutzt um die Täter zu jagen und anzugreifen. Man verwendete Abhörgeräte, Infiltration, es kam zu Anklagen, also alles was an Möglichkeiten zur Verfügung stand. Keine dieser konventionellen Methoden wurden jedoch implementiert, um dieses finanzielle Fehlverhalten, diese Machenschaften aufzudecken. Seit dem massiven Enron-Konkurs (2001), ist die Summe der Strafen für die wenigen führenden Unternehmen im Finanzsektor die in Frage kommen, weniger als 1 Prozent der gesamten Lohn-und Boni die bis jetzt bezahlt wurden.
Viele US-Banken sahen Madoff als Betrüger, aber sie haben mit ihm weitergearbeitet. Internet-Blase, Subprime, vorsätzlicher Bankrott von einigen US-Bundesländern – niemand wurde in diesen Fällen bis heute je verurteilt. Es ist ja diese Straflosigkeit, dieses grüne Licht für die Verletzungen von Regeln, die zu dieser Krise führten. (Dies wird leider in der Systempresse verschwiegen oder als Thema gemieden) Und Obama verteidigte noch im Oktober 2011 noch diese „Abwesenheit von Verfolgung“.
Als Beispiel führt der Autor an: Die finanzpolitischen Unterlagen preisen die Finanzderivate auf Hypotheken in den USA, die auf die Jahre 2005 bis 2008 basieren. Es sind jedoch ein Gewebe von Lügen. Die Täter wurden nie vor ein Gericht gebracht.
Charles Ferguson in Bezug auf die zwei Skandale an der Wall Street:
Bei JP Morgan, weiß man noch nicht genau, wie die endgültige Höhe des Schaden ausfallen wird. Es ist ein unheimliches Geheimnis. Noch vor kurzen wurde dieser Ort (Wall Street), als einstimmig der beste Platz in den USA genannt um Finanzprodukte zu verwalten. Dessen Präsident, Jamie Dimon (JP Morgan // Rockefeller), sitzt immer noch im Vorstand der Federal Reserve von New York, eine wichtige Tochtergesellschaft der Zentralbank der Vereinigten Staaten. Oder anders formuliert, gehört Dimon zur Elite und entscheidet unter anderem über die Geldpolitik des Landes. Wenn aber schon diese Art von „Unfällen“ eintritt (Skandale), sollen wir dann nicht auch die anderen (Unfälle) fürchten?

Auf die Frage der Beschuldigung, die Finanziers seien „Kriminelle“, antwortet Herr Ferguson.
Sie sind gleichgültig gegenüber dem Schicksal ihrer eigenen Institutionen, sie sind nur da um sich zu bereichern. Diese Geld und die Arroganz macht sie gefährlich. Deshalb will ich diese Diskussion in die Öffentlichkeit tragen. Und ich bin zumindest kurzfristig pessimistisch, doch auf lange Sicht gesehen denke ich und ich hoffe, dass die Amerikaner dann genug haben. Und das System wird sich ändern.

Das ausführliche Interview (was wir Ihnen empfehlen) können Sie im LINK oben bei Paris Match lesen.



Montag, 2. Juli 2012

Welchen Preis hat die angebliche Energieunabhängigkeit Frankreichs?


Frankafrika
Das Gesetz des Dschungels: Die Machenschaften des frz. Atomkonzerns AREVA in Afrika
Übersetzt von Michéle Mialane
Herausgegeben von Fausto Giudic


Während im Jahre 2011 unter hochtrabenden humanistischen Reden der 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärungen der afrikanischen Staaten gefeiert wurde, wurde ein System immer noch aufrechterhalten, das aus der Kolonialherrschaft stammt: die militärische, diplomatische und finanzielle Unterstützung an Diktaturen und autoritäre Regimes, die es mit privilegiertem Zugang zu den Naturressourcen entgelten. Mit einer kräftigen Prise Gewalt, Affairismus und Korruption einhergehend. Allein die Gruppe Areva liefert ein Beispiel für die gravierende Rolle derFrançafrique-Netzwerke, die bisher die demokratischen Bestrebungen in Afrika immer sehr gut zu versenken wussten. Arevas nigrische Bergwerke liefern immer noch ein Drittel ihrer sämtlichen Produktion, während das Land immer tiefer verschuldet wird. In Frankreich leuchtet jede dritte Ampel dank nigrischem Uran, wobei die meisten Nigrer über keine Stromversorgung verfügen. Dabei wird der Strom nicht im Land erzeugt, sondern aus dem benachbarten Nigeria importiert. Der Mythos der französischen Energieunabhängigkeit hat einen Preis. Und für diesen Preis müssen Menschen aufkommen, deren Umwelt und Gesundheit geschädigt, die ihres Landes beraubt und um ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft betrogen werden. Selbst das dem Leben unentbehrliche Wasser wird verschmutzt und die räuberische Übernutzung des Grundwassers hat rund um Arlit im nigrischen Tuareggebiet zur Ausdehnung der Wüste beigetragen.
Dass Ende 2011 gerade auf diesem Gelände 5 Franzosen entführt wurden, hängt wohl einigermaßen mit der Frustration der Lokalbevölkerung sowie mit der ungleichenVerteilung der durch den Uranabbau erzeugten Gewinne zusammen. Doch offensichtlich wurde eine Grunddebatte umgangen und Areva nicht im Geringsten aufs Korn genommen. Da gibt’s doch Verträge mit zum Teil geheim gehaltenen Bedingungen, langfristige Risiken werden abgeleugnet - beides seit jeher angewöhnte Methoden der Bergbauindustrie. Klingt unwiderstehlich an die Gewinnung des Schieferöls und -gases an, die man uns gerne aufzwingen möchte. Eines sollten wir bedenken: der Markt kennt keine Grenzen. -Golias



Seit das letzte französische Uranbergwerk im Jahre 2001 geschlossen wurde, ist Afrika für die französischen Kernkraftwerke unentbehrlich. Mit der Unterststützung ihres Mehrheitsaktionärs - der frz. Staat - geht  dort die Gruppe Areva nach wie vor einträglichen Tätigkeiten nach, vom Schweigegesetz  geschützt und unter Einmischung von Regierungspolitikern. Aber auf Kosten der Umwelt sowie der Bevölkerungen, denen das Geschäft teuer zu stehen kommt.



Die Areva-Gruppe, die  in ungefähr 100 Ländern aktiv ist, meistert sämtliche Gebiete der Atomindustrie: Uranabbau, -anreicherung und -wiederaufbereitung, Engineering, Erstellung von Reaktoren und Kontrollsystemen, Wartung.  Dieses „Glanzstück der französischen Industrie“ entstand am dritten September 2001 aus dem Zusammenschluss zweier hochwichtigen Akteure des Kernkraftsektors: die COGEMA (Allgemeine Gesellschaft für Kernkraftstoffe), welche 1976 ihre Tätigkeit im Gebiet Uranabbau und -anreicherung der CEA (staatliche Stelle für Kernkraft) übertrug; und Framatome, der sich seit 1958 auf die Herstellung von Heizkesseln für Kernkraftwerke spezialisiert hatte. So war alles in Gang gesetzt zur Fortsetzung der Uranindustrie, mit der Unterstützung des französischen Staats und der Netzwerke der „ Françafrique “ (siehe Interview von Raphaël Granvaud) sowie gut eingespielten Methoden. Die Geschichte der Gruppe läuft  aber nicht auf 2001 zurück, sondern erscheint vielmehr als die Fortsetzung der Kernkraftentwicklung in Frankreich und der Institution, die mit deren Förderung beauftragt war: der CEA, zu dem Charles de Gaulle schon 1945 anregte, mit dem Ziel, Frankreich mit der Atomwaffe zu versehen. Hiermit wurden die Kernrohstoffe zur Priorität, und Frankreich nahm sich Afrika zu Hilfe. Wie sich aber später herausstellen sollte, birgt die zur Stromerzeugung bestimmte zivile Kernindustrie andre Gefahren in sich, und wird der Bevölkerung der Erzeugerländer entsprechende Schäden zufügen.
Die erste beträchtliche Uranlagerstätte wurde 1956 in Mounana (Gabun) aufgefunden. Gabun war damals eine französische Kolonie des Äquatorialafrikas. 1961 beginnt die Erschließung; sie wird fast 40 Jahre lang fortgesetzt werden, manchmal unter der Drohung von Waffengewalt, so z.B. 1965, als Bergleute nach einem tödlichen Unglück einen Streik anfingen. Insgesamt wurden über 26000 Tonnen des kostbaren Erzes gewonnen - was Spuren hinterließ.
Die Bevölkerung lebt immer noch zusammen mit den radioaktiven Auswirkungen des Uranerzes: durch Einatmung der Luft, Verspeisung von Nahrungsmitteln und Wasserverbrauch, auch weil viele Wohnungen mit dem Anschüttungsmaterial  des geschlossenen Bergwerks gebaut wurden. Außerdem wurden 2 Millionen Tonnen radioaktiver Abfälle in die Wasserläufe ausgeschüttet und weitere 4 Millionen in die nun geschlossenen, früher durch die COMUF - Gesellschaft der Uranbergwerke von Franceville, die gabunische  Filiale der  COGEMA und „Vorfahre“ von Areva - betriebenen Bergwerke ausgekippt: „13 Jahre nach der Schließung des Mounanageländes leiden die Anrainer und ehemaligen Bergleute immer noch unter den Folgen des Uranabbaus“ - so Bruno Ondo, Ex-Diözesanleiter von Caritas. „Die radioaktiven Zonen befinden sich in Gebieten, wo die Menschen den Maniok einweichen, fischen, und in der Nähe ihrer Wohnungen. Für die realen Kosten des Uranabbaus muss in Wirklichkeit die einheimische Bevölkerung aufkommen.“ Als Beistand bei der Strahlenschutzaufsicht in Mounana hatte die COMUF den französischen Labor Algade, eine Ex-Filiale der Cogema, beauftragt, und zwar unter Kontrolle der CNPPRI (Nationales Zentrum für Strahlenschutz). Es hat sich aber herausgestellt, dass das 2008 vorgelegte Risikoszenario der COMUF die Realität verharmlost: es entspricht nicht dem Bericht des CNPPRI; nicht alle Strahlenbelastungen werden in Betracht gezogen. Bruno Ondo weiter behauptet: „Über den Strahlenschutz werden wir auf inakzeptable Weise unzureichend informiert. Seit 10 Jahren wird dessen Aufsicht von der COMUF und dem CNPPRI  geführt, aber weder den lokalen Behörden noch der betroffenen Bevölkerung wurden deren Resultate zur Verfügung gestellt. Deshalb werden beruhigende Mitteilungen mit Recht als verdächtig angesehen.“ Das passt in die längst eingesessene Tradition Arevas, die durch Omertà und Verachtung der Bevölkerung gekennzeichnet ist.


Für die realen Kosten des Uranabbaus muss in Wirklichkeit die einheimische Bevölkerung aufkommen
In Niger begann der Abbau im Jahre 1966 in Arlit. Der Ort liegt zwischen der Saharawüste und dem Sahel, in der Region von der Hauptstadt des Tuaregvolkes Agadez, und dort wurden bis heute über 100 000 Tonnen Uranerz gewonnen. 2008 betrug der Umsatz von Areva 13,2 Milliarden Euro, d.h.  5mal das BIP von Niger. Auf Umwelt-, gesundheitlicher und sozialer Ebene handelt es sich  aber für die ehemalige französische Ex-Kolonie um eine echte Katastrophe. Massiv angehäufte Abfälle, Boden-, Wasser- und Luftverschmutzung... „Wir setzen alles ans Werk, um die Strahlenaussetzung  möglichst zu beschränken“ - behauptet Areva („Unsere 10 Verpflichtungen“), und beruft sich auf einen Bericht des INRS (Institut für Strahlenschutz und Kernenergiesicherheit), eine Stelle, die mehrmals angeprangert wurde wegen ihrer Abhängigkeit von der französischen Exekutive. Die gesundheitliche Pflege wird von Areva übernommen, und seltsamerweise finden die Ärzte keine Pathologien auf, die mit Bestrahlung im Zusammenhang stehen. Auch werden die Grundwässer mit Ausschöpfung bedroht, da Areva das Grundwasser von Tarat mitten in der Wüste herauspumpt.
Seit 1966 wurden in Arlit und Akokan, der anderen Bergbaustadt, 270 Milliarden Liter Wasser verbraucht, und heute werden noch täglich Millionen Liter verwendet. Weltweit ist Niger der fünftgrößte Uranerzeuger, gehört aber zu den ärmsten Ländern und dort erreicht die Lebenserwartung kaum  50 Jahre. Der  jährliche Gewinn von Areva liegt um 770 Millionen Dollar, der nigrische Staatshaushalt aber nur bei 320 Millionen.


Die Industriefirma Areva ist in 43 Ländern vorhanden und ihr Geschäftsgebiet umfasst an die 100 Länder. Wie  es aber die unersättliche Profitlogik verlangt hat sie  2007 die kanadische Gesellschaft Uramin, die ihr neue afrikanische Lagerstätten erschloss, zu einem schwindelnd hohen Preis (2,5 Milliarden Dollar) erstanden. Uramin, als Areva Resources Southern Africa umgetauft, wurde in den britischen Jungferninseln registriert - ein Offshore-Finanzplatz und –Rechtsgebiet -, welche zu den undurchdringlichsten und schädlichsten zählen. Dabei gibt sich Areva doch für „über jeden Verdacht erhaben“? Merkwürdig. Übrigens war erstaunlicherweise der Wert der Uramin-Aktien im Halbjahr vor dem Areva-Angebot ums Vierfache gestiegen... Daher erschien das Geschäft verdächtig und Anne Lauvergeon, seit 2001 Generaldirektorin der Firma,  musste im Juni 2011 aus dem Amt scheiden.  Nebenbei bemerkt hatte Areva gerade ihr jenen Namen zu verdanken, und zwar als eine Anspielung auf die spanische Abtei Arevalo. Ihre mystische Seite hat sie uns bis zum Ende verhehlt. Darf man wohl sagen.  Vorläufig ist - angeblich infolge der Schwierigkeiten, die Fukushima auf den Märkten verursacht, der Kauf von Uramin auf Eis gestellt, sowie auch die Bergbaupläne von Areva in Zentralafrika, Namibia und sogar im nigrischen Imamouren - eine jedoch viel versprechende Lagerstätte, weshalb die Staatschefs eine Wut kriegten.  Dafür stärkt  Areva ihre  Positionen in Kasachstan, Jordanien, Marokko oder auch in der Mongolei.
Im Jahre 2007 flog der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf Besuch nach Tripoli. Offiziell zur „ Verstärkung der  Beziehungen zwischen beiden  Staaten.“ Dabei wurden aber geheim gehaltene militärische Verträge geschlossen und darüber hinaus versprach Frankreich, Gaddafi mit einem Areva-Kernkraftreaktor zu beliefern, offiziell zur Entsalzung von Meerwasser. Wie es aber Jacques Attali in seinem Buch Economie et apocalypse, trafic et prolifération nucléaire (Fayard, 1995)schrieb, “ist eine triftige Unterscheidung zwischen Militär- und zivilen Kernrohstoffen unmöglich. (...) Da fast alle Technologien in beiden Bereichen angewendet werden können, kann man alle Know-hows oder Technologien verkaufen, und sich dabei den Anschein geben, als würde man an die friedlichen Absichten des Käufers glauben.“ Und immer noch werden Kernkraftwerke verkauft...
Laut einem Bericht, der am 20. April 2011 von der Delegation für strategische Angelegenheiten an das Verteidigungsministerium überreicht wurde „ könnten in 30 Jahren ungefähr 20 Staaten über die Atomwaffe verfügen.“  Angesichts der sich rasch anhäufenden, mit der Kernenergie zusammenhängenden Risiken und der Destabilisierung und stets massiveren Verschuldung der Afrikastaaten sollte eine breite Mobilisierung entstehen gegen die Strategie Arevas, immerhin ein Unternehmen, das sich zu 80% im Besitz des französischen Staates befindet.


Fokus
Uranbergwerke sind tödlich
Jede Tonne verwendbaren Uranerzes benötigt bis zu 2000 Tonnen radioaktiven Aushubs, der in die Umwelt ausgeschüttet wird. Durch das Radon, ein radioaktives Gas, das beim Abbau ausgeschieden wird, wird die Gesundheit der Bergleute und AnrainerInnen der Bergbaugelände beeinträchtigt. Deutschland liefert dafür ein typisches Beispiel mit der Nutzung  der Wismut-Bergwerke. Infolge der starken radioaktiven Verseuchung wurde dort eine besonders hohe Anzahl Krebse festgestellt. Es wurden nicht weniger als 7000 Lungenkrebserkrankungen bestätigt und die anerkannten Opfer des Uranabbaus werden auf mindestens 20 000 geschätzt.
In Afrika kann die Anzahl der Opfer schwer eingeschätzt werden angesichts der fehlenden Statistiken und des herrschenden Schweigegesetzes. Die gesundheitlichen Folgen sind aber katastrophal. Während Areva behauptet, auf dem Arlit-Gelände in Niger eine Entseuchung vorgenommen zu haben, erwies sich anlässlich einer Analyse von Proben durch den CRIIRAD (Unabhängige Forschungskommmission für Radioaktivität), dass deren Radioaktivität die natürliche Radioaktivität ums 2000fache überstieg. Bei der Nutzung des riesigen Tagebaus von Imamouren, dessen Erschließung seit 2009 immer wieder hinausgeschoben wird, wäre es genau das Gleiche wie in Arlit, nur, dass dessen Umfang alles noch schlimmer machen würde. Areva scheint eine Rückkehr nach Gabun in Betracht zu ziehen; dort hat die Nutzung der Manouna-Bergwerke Spuren hinterlassen, unter denen die Bevölkerung heute noch leidet.
In Zentralafrika liegt das Nutzungsprojekt des Bakuna-Bergwerks,  das  2007 nach dem Kauf von Uramin wieder aufleben sollte, auf Eis, sowie auch in Namibia, ein Land, wo sich Frankreich bereits mit Aluminium versorgt hatte, als es vom südafrikanischen Apartheidregime kolonisiert war... in totalem Widerspruch mit den UNO-Resolutionen und der Verurteilung durch den Internationalen Gerichtshof von Handelstransaktionen, die jene Besetzung anerkennen würden. Zynismus und Umgehung der Gesetze und der Sicherheitsvorschriften sind wirklich nichts Neues.
Auf dem namibischen Trekkopje-Gelände ist der Urangehalt sehr niedrig und Hundertmillionen Felsbrocken müssten eine chemische Behandlung erfahren; je niedriger die Urankonzentration des Erzes, umso höher die Verschmutzung.  Sollte eines der größten Tagebaubergwerke tatsächlich genutzt werden, müssten wir auf ein neues Umwelt- und gesundheitliches Desaster gefasst sein.


Uranium: die beerdigte Debatte-Interview mit Raphaël Granvaud
In diesem Interview vernichtet Raphaël Granvaud den Mythos der Energieunabhängigkeit und erklärt, unter welchen Verhältnissen Frankreich und Areva sich - vor allem in Afrika - Uranerz verschaffen. (1) Mit dem  Buch „ Areva en Afrique, une face cachée du nucléaire français (Areva in Afrika, die Schattenseite der französischen Kernenergie)“(2)  legt uns das Mitglied der Organisation „Survie“ ein gut dokumentiertes und unnachgiebiges Werk über die Einmischung der französischen Politik und deren Folgen vor.
In Ihrem Buch beweisen Sie, dass Frankreichs energetische Unabhängigkeit nur ein Mythos ist. Anhand welcher Elemente begründen Sie das?
Raphaël Granvaud: Seit 40 Jahren kehrt das Leitmotiv von Frankreichs Energieunabhängigkeit dank der zivilen Kernenergie tatsächlich immer wieder in den politischen Reden, und dieser Mythos ist ganz besonders zäh. Die offizielle Energieunabhängigkeitsquote wird anhand diverser Manipulierungen der Statistik gerechnet; die wichtigste besteht darin, dass Uranimporte - im Unterschied zu Gas oder Öl - nicht als Energieimporte, sonder bloß als Rohstoffimporte verbucht werden. Aber seit das letzte französische Uranbergwerk 2001 geschlossen wurde, wird das gesamte in unseren Kernkraftwerken verbrauchte Uran importiert. Und selbst früher wurde vorherrschend importiertes Uran gebraucht. Historisch gesehen wurde Uran zuerst aus Afrika importiert, anfangs aus Gabun, dann aus Niger. Zwar nutzt  Areva derzeit andere Lagerstätten weltweit, allerdings stammt  immer noch ein Drittel ihrer Produktion aus Niger. Unter solchen Verhältnissen darf von Energieunabhängigkeit nur die Rede sein, wenn angenommen wird, dass die Bodenschätze der ehemaligen französischen Kolonien sich immer noch im französischen Besitz befinden.  Auch unterschlägt eine solche Haltung, welche Rolle der afrikanischen Uran gespielt hat in der Geschichte der französischen Kernenergie - die ich in diesem Buch zu vergegenwärtigen versuche.
Können sie die politischen Verhältnisse besser ins Licht rücken, unter welchen Frankreich und Areva sich das zur Entwicklung der zivilen und militärischen Kernenergie nötige Uran verschaffen konnten?
Um nach den afrikanischen Unabhängigkeitserklärungen seine Energieversorgung zu sichern, hat Frankreich in Gabun und Niger autoritärste, dafür den eigenen strategischen Interessen gegenüber ganz besonders wohlgesinnte Regimes eingesetzt. In Gabun herrschte lange Omar Bongo, auf den der eigene Sohn neulich gefolgt ist. In Niger setzte Frankreich zuerst Hamani Diori an die Macht, nachdem es sich den Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Bakary Djibo vom Hals geschafft hatte. Als Hamani  Diori 1974 den Uranpreis neu verhandeln wollte, wurde er sehr gelegen umgestürzt, und zwar von Offizieren, die in dem französischen Kolonialheer geschult worden waren. 1996 wurde von  Frankreich wieder ein militärischer Staatsstreich gesponsert, knapp nachdem die Nigrer sich eine Zivilregierung neu erobert hatten.  Und als vor kurzer Zeit - 2007-2008- der Uranpreis auf dem Weltmarkt sehr hoch stand, kam es zu einer Kraftprobe zwischen dem Regime von Mamadou Tandja einerseits und Areva und dem frz. Staat andererseits. In einer gewissen Hinsicht erinnerte die Sachlage an die von 1974, da der nigrische Staat wieder von Frankreich eine erhebliche Aufwertung des Uranpreises forderte. Diesmal hat Areva aber hinsichtlich des Preises z.T. nachgegeben - weil die Firma es auf Afrikas größte Unranlagerstätte in Imamuren abgesehen hatte und sich vor der chinesischen Konkurrenz fürchtete. Damit Areva den Sieg davontrug, flog Sarkozy zuerst nach Niger und erteilte seinen Segen dem Verfassungsstaatstreich, den Mamadou Tandja plante, um sich nach Ablauf seines zweiten Mandats an der Macht halten zu können. Nachdem Frankreich die Lagerstätte erstanden hatte, rührte es sich nicht, als Tandja durch einen zweiten Staatsstreich umgestürzt wurde... Nach 40 Jahren Einmischung des frz. Staates in Nigers  innere Angelegenheiten steht Eines fest:  nur ein kleiner Teil des Uranwertes ging an den nigrischen Staat und außerdem hat nicht die Bevölkerung davon profitiert-, sondern die Affairisten der Militärregimes, die von Frankreich unterstützt wurden und die Staatsschuld vergrößert haben und das Land im Elend gehalten.
Auf welche Netzwerke und Relais stützt sich Areva zur Verwirklichung ihrer industriellen Zielsetzungen?
Von Anfang an waren die Hauptakteure der Kernenergieentwicklung und die des neokolonialen Systems, das nach den afrikanischen Unabhängigkeitserklärungen eingesetzt wurde, z. T. die gleichen. De Gaulle gründete den CEA und parallel - zusammen mit Foccart - stiftete er das an, was nun als  Françafrique bezeichnet wird. Pierre Guillaumat, der Urheber des frz. Atomprogramms, wurde dann der erste Präsident der Schlapphüte-Ölfirma Elf... Heute bleibt nach wie vor das fr. Staatsoberhaupt der erste Marketer für Kernenergie, ganz gleich, ob  Zueignung von Lagerstätten oder Andrehung  von Kraftwerken. Auch zögert Areva nicht davor, die „radioaktivsten“ Elemente seiner Netzwerke der Françafrique zu recyceln, um ihre Positionen zu sichern, wenn sie Schwierigkeiten begegnet, oder um neue zu erobern. In Niger z.B., als es zu einer Krise kam  zwischen Mamadou Tandja und Areva, hat Letztere Persönlichkeiten hinzugezogen, die Erfahrung mit der Paralleldiplomatie hatten. Als eine neue rebellische Bewegung mit einem starken Anteil an  Tuaregs,  die Nigrische Bewegung für Gerechtigkeit, eben auftaucht, rekrutiert sie z.B. den Obersten Denamur, einen ehemaligen Militärattaché der frz. Botschaft in Niger. Auch setzt Areva Dominique Pin an die Spitze ihrer Aktivitäten in Niger: jener Diplomat ist ein früheres Mitglied der Afrikazelle der frz. Präsidentschaft. Beide Individuen wurden in Niger schnell für „persona non grata“ erklärt - etwas  nie Dagewesenes in einer frz. Ex-Kolonie - und beschuldigt, undurchsichtige Beziehungen mit der Bewegung für Gerechtigkeit angeknüpft zu haben. Auch sonst wo wurden besonders widerliche Elemente aus den Netzwerken der Françafrique recycelt;  so z.B. wurde von Areva ein Terzett Vermittler zur Erstehung gewisser Lagerstätten in Zentralafrika oder in der Demokratischen Republik Kongo eingesetzt: Patrick Balkany, der mit Sarkozy eng befreundete Abgeordnete von Levallois-Perret, dessen politischen Karriere genau wie die von Sarkozy  im Fahrwasser von Charles Pasqua begann; der belgische Geschäftsmann Georges Forrest, französischer Honorarkonsul in Lumumbashi Spitzname „Vizekönig von Katanga“; Fabien Singaye, ein ehemaliger ruandischer Spion mit Verbindungen zur Bande, die in Ruanda den Tutsi-Völkermord geplant hat....
Wie erklären Sie Arevas Kommunikationsstrategie?
Arevas Kommunikationsstrategie - die Realität bis ins Absurde abzuleugnen - lässt sich leicht erklären. Uranabbau ist eine besonders gefährliche Aktivität.  Jede Bergwerkindustrie ist umweltverschmutzend und im Allgemeinen kümmert man sich wenig um die lokale Bevölkerung. Beim Uranabbau kommen aber auch die spezifischen, mit der Radioaktivität zusammenhängenden Risiken hinzu, welche absichtlich verheimlicht wurden. Hier haben wir mit einer zum Kernkraftgebiet gehörenden Tätigkeit zu tun, die ausschließlich zu Rentabilitätszwecken nicht als solche anerkannt wurde. Uranabbau hat Boden, Wasser und Luft unwiederbringlich verschmutzt. Die Bevölkerung wird mit  verseuchtem Wasser versorgt, auch verwendet sie radioaktives Altmetall für ihren täglichen Brauch wieder. So wird die ganze Region langsam, aber sicher vergiftet, und Areva möchte selbstverständlich nicht, dass diese Tatsache ihre Image sowie die der Kernenergie in ein übles Licht rückt. Als erste betroffen werden natürlich die Bergleute, denen man die Risiken sehr lange versteckt hat - die ersten elementaren Schutzmaßnahmen wurden erst in den Neunzigern getroffen.  Im Laufe von 40 Jahren Nutzung hat Areva aber keinen einzigen Verseuchungsfall, Krebs oder sonstige Pathologie als Berufskrankheit anerkannt.  Hier wurde  ein greifbares Schweigegesetz eingeführt.


Wie kann man Schluss machen mit dem  „Areva-System“?
Ich maße mich nicht an, in meinem Buch eine einfache Lösung vorzuschlagen. Nur hoffe ich, dass es zur Stärkung der Argumente der Atomkraftgegner beitragen kann, sofern es die politischen, gesellschaftlichen sowie  Umwelt- und Gesundheitsschäden in Betracht zieht, die Areva in Afrika mit dem Uranabbau verursacht.  Derzeit liegen  noch 80% des Areva-Kapitals in staatlicher Hand. Ihre Politik wird also von den Staatsbevollmächtigten genehmigt, welche die frz. StaatsbürgerInnen mit Recht zur  Rechnung ziehen dürfen und gegen welche sie mobil machen können. Ebenfalls muss  die Verbindung mit den Bewegungen gestärkt werden, ihre Forderungen erfahren hinsichtlich besserer Sicherheitsbedingungen, Vergütungen für die erlittenen Schäden, Wiederzueignung der nationalen Reichtümer, Transparenz der Kapitalflüsse usw. Dies setzt sich zum Ziel das Kollektiv „ Areva ne fera pas la loi au  Niger (Areva wird in Niger nicht schalten und walten)“(3). Ich für mein Teil halte den Atomausstieg für das einfachste und sicherste Mittel, dieser Politik der Ausplünderung und der Einmischung, die „Energieunabhängigkeit“ getauft wurde, ein Ende zu setzen. Selbstverständlich steht der nigrischen Bevölkerung die Entscheidung zu, ob die Nutzung ihres Bodens fortgeführt werden soll oder nicht, wir aber müssen fordern, dass diese Debatte durch Areva und den frz. Staat nicht mehr beerdigt wird.
Noten
(1)      Der 1984 ins Leben gerufene Verein „Survieprangert die weiter bestehenden neokolonialen Verknüpfungen zwischen Frankreich und dessen afrikanischen „ehemaligen“ Kolonien. Ziel von Survie ist es, andere Beziehungen zu fördern, welche die Souveränität der verschiedenen Staaten und die Wahl der Bevölkerungen achten.
(2)      Areva en Afrique, une face cachée du nucléaire français Areva in Afrika, eine Schattenseite der frz.Kernenergie.“ Autor: Raphaël Granvaud, 2012 von Agone herausgegeben, Preis: 14 Euro.
(3)      Das französische Kollektiv „Areva ne fera pas la loi au Niger“ wurde 2008 ins Leben gerufen zur  Unterstützung der Bevölkerungen, die vom Uranabbau betroffen werden sowie Anprangerung der katastrophalen Folgen unserer energiepolitischen Entscheidungen: die radioaktive Umweltverseuchung. Die Kampagne des Kollektivs setzt sich zum Ziel, Frankreich, die Europäische Union und die internationale Gemeinschaft zur  Verantwortung zu ziehen.


    Raphaël Granvaud
    Areva en Afrique

    Une face cachée du nucléaire français

    Préface 
    d’Odile Tobner
    Parution : 16/02/2012
    ISBN :978-2-7489-0156-6
304 pages
11 x 17 cm
14.00 euros
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Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.golias-editions.fr/article5055.html
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 09/05/2012
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7610




Mittwoch, 18. April 2012

Die Regierung, die ich mit meinem Eid zu schützen geschworen habe, ist nicht mehr die Regierung, für die jeder sie hält


Er war ein Leben lang bei der CIA, stieg bis zum Vizedirektor der Terrorbekämpfung auf und wurde in eines der düstersten Kapitel der CIA verstrickt: die Folter von Al-Quaida-Häftlingen. Nun packt er aus, stellt sein mitreißendes Buch weltweit vor.

Ein Jahr nach dem 11. September bekommt Glenn Carle den Auftrag, einen mutmaßlichen Terroristen zu verhören. Die CIA hat ihn im Nahen Osten auf offener Straße gekidnappt und in ein Geheimgefängnis außerhalb der USA verschleppt. "Mein Vorgesetzter zeigte mit dem Finger auf mich: Sie werden diesen Mann um jeden Preis zum Reden bringen – verstehen Sie? Ich konnte nicht glauben, dass ein CIA-Officer hier etwas in den Raum stellte, wofür jedermann nur ein Wort hat: Folter. Ich antwortete: Aber wir machen so etwas nicht. Worauf er sagte: Doch, jetzt machen wir das!", erinnert sich Glenn Carle.

Von ganz oben kommt die Order, bei der Jagd auf Osama Bin Laden sogenannte "verschärfte Verhörtechniken" anzuwenden. Laut Justizministerium keine Folter. Erlaubt sind: Dunkelhaft, Kälte, Hitze, schmerzhafte Körperpositionen, Dauerbeschallung. Glenn Carle reist in das Geheimgefängnis. Monatelang befragt er seinen Gefangenen, 14 Stunden am Tag. Er sagt, er selbst habe die verschärften Methoden nie angewandt – weil er sie für Folter hält: "Es ist schockierend, wie schnell man jemanden in Wahnvorstellungen treiben kann. Diese Methoden, die mit Temperaturschwankungen, Schlafentzug, Lärm und Zeit spielen, bringen einen Menschen um den Verstand. Genau das ist mit meinem Häftling im zweiten Geheimgefängnis geschehen, das unter CIA-Leitung stand und wo ich keine Verfügungsgewalt mehr hatte."
Carle: "Was ist aus meinem Land geworden?"

Hotel California ist sein Code-Wort für das berüchtigte Geheimgefängnis in Kabul, in das sein Gefangener verlegt wird. Die Folterungen, die wir von den Bildern aus Abu Ghraib im Irak kennen – hier sind sie gang und gäbe. Dass sie von der CIA in Afghanistan systematisch angewandt wurden, bestätigt der UNO-Folterexperte Manfred Nowak. Im Dunkelgefängnis von Kabul stellten sie die ganz normalen Haftbedingungen dar.

"Wir haben genauestens untersucht, haben viele Interviews mit Ex-Häftlingen gemacht: Leute, die über lange Zeit hinweg, zum Teil bis zu elf Monaten eingesperrt waren, an Händen und Füssen gefesselt, in völliger Dunkelheit. Das heißt, die konnten die Wand nicht sehen, die mussten, so weit sie sich bewegen konnten, tasten, wo die Wand ist", sagt Manfred Nowak, ehemaliger UNO-Sonderbeauftragter für Folter.

Glenn Carle erlebt, wie sein Gefangener mental gebrochen wird – und begreift schockiert, dass er selbst Teil von etwas geworden ist, das er ablehnt. Das Schlimmste ist: Er ist längst überzeugt, dass der Mann unschuldig ist. Er bricht den Auftrag ab, aber kann den Gefangenen nicht retten.

"Ich erinnere mich, wie ich nach meinem ersten Verhör im Hotel California dachte: was ist aus mir geworden, und was ist aus meinem Land geworden? Die Regierung, die ich mit meinem Eid zu schützen geschworen habe, ist nicht mehr die Regierung, für die jeder sie hält. Und niemand weiß das. Deshalb war es meine Pflicht, dieses Buch zu schreiben", so Carle.
Die CIA-Folter schadete dem gesamten Westen

Immer wieder muss Glenn Carle der CIA sein Manuskript vorlegen, werden Passagen zensiert. Bei Erscheinen erregt das Buch in den USA riesiges Aufsehen. Journalisten finden heraus, dass Carles Häftling der paschtunische Bankier Pascha Wazir ist, der sieben Jahre unschuldig in Geheimhaft war. Die fatalen Folgen der amerikanischen Folterpolitik sind global. Statt hilfreiche Informationen im Kampf gegen Terroristen freizupressen, wurden den Extremisten Rechtfertigungen für ihr eigenes Handeln gegeben.

"Das viel Nachhaltigere war, dass in vielen Staaten der Welt, die immer schon gefoltert haben oder zumindest ein bisschen, jetzt plötzlich die Botschaft ankam: dass das Land, in dem die Menschenrechte erfunden wurden, das sie sich selbst auf die Fahne schreibt – dieses Land selbst foltert systematisch und sagt: Das ist ja gar nicht verboten. Das heißt: Es macht die Folter salonfähig", so Manfred Nowak.

Diktaturen wie Syrien oder Ägypten, deren Geheimdienste den USA verborgene Hilfe leisteten, wurden so in ihren Folterpraktiken bestärkt. Die schweren Menschenrechtsverbrechen, die durch den syrischen Präsidenten Baschaar El Assad gegen die Opposition begangen werden, können damit durch die USA kaum mehr glaubhaft kritisiert werden. Das ist die wichtigste Botschaft von Glenn Carle: dass die CIA-Folter der gesamten westlichen Welt schadete. Und keinen Erfolg brachte. "Es war unnötig, eindeutig illegal, nicht im Sinne der amerikanischen Interessen und ein Fehlschlag. Denn Folter liefert keine brauchbaren Informationen", meint Glenn Carle.

Auch wenn die USA ihre Geheimgefängnisse geschlossen haben: Die dortigen Folterverbrechen wurden auch unter Präsident Obama nicht untersucht. Glenn Carle fordert genau das. Was er selbst wirklich getan hat, bleibt im Dunkeln. Pascha Wazir, sein mutmaßlicher Ex-Gefangener, lebt heute in Dschalalabad und will nicht mit Journalisten sprechen.

Interrogator. In den Verhörkellern der CIA
Glenn L. Carle
448 Seiten, Hardcover
Verlag: Rowohlt , ISBN: 978-3-498-00941-0

Danke ttt
Quelle: http://www.daserste.de/cmspix/ttt/1304201213501.jpg
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 15/04/2012
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7169


Nachwort des Verlages
Alle hier zum Ausdruck gebrachten Tatsachenaussagen, Ansichten oder Analysen sind die des Autors und geben keine offiziellen Positionen oder Sichtweisen der CIA oder irgendeiner anderen Behörde der Regierung der Vereinigten Staaten wieder. Der Inhalt des Buches sollte nicht in einer Weise ausgelegt werden, die eine Freigabe von Informationen durch die US-Regierung oder eine Billigung der Ansichten des Autors durch die CIA behaupten oder implizieren würde. Das Material ist von der CIA durchgesehen worden, um die Enthüllung von als geheim klassifizierten Informationen zu verhindern.

Einen Blick in das Buch können Sie HIER tätigen

Donnerstag, 12. April 2012

Ich habe den Verdacht, dass die bloße Anwesenheit von Fremden eine noch stärkere Belastung bedeutet als Lärm



Vorsicht: Die zitierten Auszüge aus unten aufgeführten Buch sind heute teilweise politisch unkorrekt. Was vor 40 Jahren noch normal auszusprechen war, ist heute ein Politikum. Ein gewolltes. Sollten wir es deshalb missachten? Kann das gestrige immer nur falsch sein. Dann sind alle älteren Menschen und ältere Tiere, Pflanzen auch falsch.

Die Verhältnisse in den Großstädten
Die physischen Bedingungen in Großstädten sind im allgemeinen schlechter als in Kleinstädten... Zahlreiche Krankheiten treten in den Großstädten beträchtlich häufiger auf, und zwar nicht die einfachen Infektionskrankheiten. So ist das Vorkommen von Bronchialkarzinomen (Lungenkrebs) in Städten mit einer Million und mehr Einwohnern genau doppelt so häufig wie auf dem Land, auch Bronchitis tritt viel häufiger auf.
Noch bedenklicher sind die Ziffern für Kriminalität und Geisteskrankheiten... Es stellt sich die Frage. Ob das Leben in der Großstadt die hohen Zahlen verursacht oder ob die Kranken, Selbstmordgefährdeten und Alkoholiker auf Grund ihrer psychischen Situation besonders von der Großstadt angezogen werden. Doch der allmähliche Abfall vom Stadtkern nach der Peripherie macht diese Deutung unwahrscheinlich, gründliche Untersuchungen zeigten, dass die Quoten deutlich vom Grad der sozialen Organisation abhängen. So lagen die Zahlen bei Polen der ersten Generation mit wohlgeordneten Familienleben verhältnismäßig gut; Polen der zweiten Generation, zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen , waren häufig verunsichert. Unter Schwarzen wiederum Psychosen selten, wenn sie in Bezirken mit lauter Schwarzen wohnten; lebten sie in gemischten Bezirken, so waren die Psychosen zahlreich. Selbst normale Erwachsenen unterliegen einem Verfall der Persönlichkeit, wenn sie völlig isoliert werden. Spätere Studien in anderen Städten verstärkten diesen Eindruck, doch müsste das Phänomen der sozialen Organisation in Großstädten noch wesentlich intensiver untersucht werden...
Eine Stadt entwickelt mit der Zeit ein Sozialgefüge. Das rasche Wachstum bringt Probleme mit sich, besonders wenn dieses mit Ein- und Auswanderungsbewegungen sowie zwischen einzelnen Bezirken einhergeht. Genau die gleichen Zeichen der Orientierungslosigkeit findet man in den neuen Wohngegenden in England. Auf eine Welt, die unverständlich und willkürlich erscheint, reagiert der Mensch mit Hinwendung zum Glauben an magische oder irrationale Kräfte; sein Handeln wird planlos und von momentanen Launen geprägt.
Kurz, es scheint sicher, dass die Großstädte, die in der unmittelbaren Zukunft wie Pilze aus der Erde schießen, von Kriminalität und Geistesstörungen verschiedener Art verseucht sein werden.. Beide sind Anzeichen von starkem Stress. Personen, die davon befallen sind, werden sich wahrscheinlich weniger vermehren. Doch die Großstädte bedeuten über ihre soziale Fehlorganisation hinaus eine Belastung und ein großes Risiko für Gesundheit...
Eine der Belastungen, denen man in der Stadt ausgesetzt ist, ist der Lärm. Wir sind schlecht ausgerüstet, ihn zu regulieren, da seine Auswirkungen nur schwer in Zahlen zu fassen sind....
Wenn die Mutter während der letzten Schwangerschaftsmonate besorgt oder unausgeglichen ist, so wird man die Wirkungen am Kind sehen, etwa unbegründete Ängstlichkeit oder übertriebene Aktivität im Alter von zwei oder drei Jahren... „Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass sich nicht nur Erwachsene gegen gefährliche Stresssituationen auflehnen. Der Fötus, der nicht für sich sprechen kann, hat vielleicht weitaus mehr Grund dazu.“ Andere Versuche zeigen, dass mütterliche Ängste dieser Art tatsächlich vererbt werden können. Diese erst unlängst entdeckten Tatsachen demonstriert wieder einmal, wie wenig Gedanken wir uns über mögliche Gefahren, die unser System bedrohen, machen, bis die Folgen nicht mehr länger mit einen Achselzucken abgetan werden können.
Ich habe den Verdacht, dass die bloße Anwesenheit von Fremden eine noch stärkere Belastung bedeutet als Lärm. Viele Sprachen haben für „der Fremde“ und „der Feind“ dasselbe Wort... In der Stadt treffen wir jeden Tag ununterbrochen mit fremden Menschen zusammen, von denen tatsächlich einige, ob aus Bosheit oder Unachtsamkeit, eine Bedrohung darstellen können. Es gibt einige psychiatrische Arbeiten, die den Gedanken stützen, dass jeder Fremde bis zu einem gewissen Grad eine unbewusste Warnung hervorruft, die wir vor uns selbst durch verschiedene konventionelle Formeln verbergen. Jeder Reisende weiß, wie anstrengend es ist, tagtäglich in ungezwungener Weise mit Fremden zusammenzukommen, so freundlich diese auch sein mögen. Vermutlich würden entsprechende Untersuchungen zeigen, dass die Menschen die Zahl solcher Kontakte begrenzen möchten und dass die Städte ihre Bewohner dadurch Belastungen aussetzen, indem sie sie immer wieder zur Mißachtung dieser Grenzen zwingen.
Da es auf diesem Gebiet keine Forschungsergebnisse gibt, sind wir darauf angewiesen, die Pathologie der Überbevölkerung bei Tieren zu studieren.
( Gordon Rattray Taylor /Auszug aus: Das Selbstmordprogramm – Zukunft oder Untergang der Menschheit/ The Doomsdaybook / S. Fischer Verlag 1971 )
Das Buch ist nur noch im Antiquariat oder Gebraucht-Handel erhältlich. Sie sollten es lesen.

Die Zeit schrieb über das Buch: Taylor schildert sachkundig die revolutionären Entwicklungen, die in der Biologie für die nächsten Jahrzehnte zu erwarten sind, und schätzt die Zeitspannen ab, die nach seiner Ansicht für die Verwirklichung nötig sind... Um seine Mitmenschen zu informieren, was die Zukunft für sie bereithält, hat Taylor sein Buch geschrieben – kenntnisreich, verständlich, temperamentvoll.
Die FAZ schrieb: Das Buch ist gut!... Eine ebenso seriöse wie erschütternde Dokumentation aus den Laboratorien, die unser Leben in Zukunft einschneidend verändern werden.

Montag, 26. März 2012

Warum bekam der Unglücks Kapitän ein Denkmal gesetzt?


Gerhard Wisnewski hat wieder recherchiert, diesmal zum Titanic-Desaster.
Warum stach das Schiff mit brennenden Kohle-Bunker in See?
Am 15. April sind genau 100 Jahre vergangen seitdem die Titanic unterging.
Warum steuerte Kapitän Smith mit Hilfe der Eiswarnungen ins Eis?
Was für Explosionen hörten die Passagiere?
Warum brach die Titanic dabei auseinander?
Warum starb John Jacob Astor erst eine Stunde nach dem Untergang?
Warum wurden Passagiere noch in den Rettungsbooten zum Schweigen verdonnert?
Warum verschwanden Zeugen aus ihren Hotelzimmern?
Warum wurde niemand für den Tod von 1500 Menschen bestraft?
Wie und warum überlebte Kapitän Smith?

Bei seinen akribischen Recherchen über die Titanic-Katastrophe stieß Bestseller-Autor Gerhard Wisnewski auf faszinierende Hintergründe und Zusammenhänge, die nur einen Schluss zulassen: Der Untergang der Titanic war kein Unglück, sondern ein Attentat.

Hier das Video zur Buchvorstellung von Kopp-Verlag

Sonntag, 18. März 2012

Ohne Frauen gibt es keine Demokratie


Alles Lotta oder was?
Liebe Leserinnen (die Herren dürfen auch dabei mitlesen) die Bundestagsfraktion DIE LINKE hat ein (wie sie es selbst nennt) feministisches Magazin aus der Taufe (na ob Taufe hier angebracht ist) gehoben oder wie Frau Ploetz es nennt, in die Hand geben.
Den Namen Lotta entlehnte man aus dem italienischen und bedeutet Kampf, ein Synonym dazu wäre auch duello, zum Duell fordern.
Genau das will die neue Publikation, den Finger in die Wunde legen. Kampf um die Gleichberechtigung (hoffentlich ohne Scheuklappen und starren Blick in den Augen) und Gleichstellung, für gleiche Löhne, für eine gerechte Verteilung der Arbeit und für soziale Gerechtigkeit. Die Krise ist Global, sie wird überall Wirkung zeigen. Denn die Sparprogramme der europäischen Regierungen werden zum einen jene Jobs zusammenstreichen, die in der Regel von Frauen ausgeübt werden, und andererseits wird den Frauen genau diese Arbeit wieder aufgebürdet – unbezahlt, in den eigenen vier Wänden zu Hause. Das ist nicht hinnehmbar, nicht in Griechenland, nicht in Europa, nirgendwo, schreibt im Lotta-Flyer Frau Ploetz, sie ist die frauenpolitische Sprecherin der oben genannten Fraktion.
Lotta Queer:
Viele Queer-Feministinnen fühlen sich von der (Occupy) Bewegung nicht mitgenommen. Sexistisch sei sie, frauenfeindlich und heteronormativ (die soziale Norm ist Heterosexuell).Von Vergewaltigungen in den Zeltlagern von Oakland, Toronto und New York war in der Presse die Rede (schön wenn noch an die Presse geglaubt wird), die nicht streng genug geahndet oder sogar tabuisiert wurden. Von geschlechtergerechter Sprache hat die Bewegung noch nichts gehört. In Postgender-Manier bleiben die Redelisten unquotiert, in der „Wir sind alle eins“-Schwarmkultur (!) von Occupy erfahren Differenzen keine Berücksichtigung, schreibt die Referentin für Gleichstellungs- und Queerpolitik der oben genannten Fraktion Franziska Rauchut.

Montag, 12. Dezember 2011

Emotionale Unverwüstlichkeit - Trennen vom Zionismus


Trennung vom Zionismus : Rezension von "Beyond Tribal Loyalties"


Übersetzt von Ellen Rohlfs
Herausgegeben von Fausto Giudice

2009 hat der UN-Menschenrechtsrat den südafrikanischen Richter Richard Goldstone zum Leiter der Erkundungsmission bestimmt, um die möglichen israelischen Kriegsverbrechen, die während der Gaza-Operation Cast Leadbegangen wurden, zu untersuchen. Abgesehen davon, dass Richard Goldstone ein sehr geachteter Richter ist, konnte ihm wegen seines jüdischen Ursprungs kein Antisemitismus vorgeworfen werden.

Goldstone hatte wahrscheinlich keine Vorstellung von dem, was ihn erwartete. Nachdem er den Auftrag erfüllt und seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen veröffentlicht hatte, wurde er schnell das Opfer einer bissigen Verleumdungskampagne. Israels Informationsminister sagte, der Goldstone-Bericht sei „antisemitisch“. Der Harvardprofessor Alan Dershowitz informierte die Zuhörer des israelischen Armeerundfunks, dass Goldstone ein „übler, übler Mann“ sei und ein "absoluter Verräter“, ein „Mann, der seine Sprache und Wörter gegen das jüdische Volk benützt“. Dershowitz entschuldigte sich später, dass er Goldstone einen Verräter nannte, er dachte eher an einen Moser (hebr. für Informant) und meinte „Monster“ (als ob das weniger hart gewesen wäre)….

Am Ende wurde es für den südafrikanischen Richter zu viel. Er versuchte, Teile aus dem Bericht , den er mit herausgegeben hat, zu löschen und verteidigte Israel öffentlich gegen die „Apartheid-Verleumdung“. Und wenn die Wahrheit gesagt wurde, dann hat er sich selbst anscheinend nie vom Zionismus getrennt. Doch der Schaden ist nicht mehr gut zu machen, der größere Teil der jüdischen Gemeinschaft hat kein Vertrauen mehr in ihn.

Ich musste an Goldstones Schicksal denken, als ich das Buch Beyond Tribal Loyalties: Personal Stories of Jewish Peace Activists(„Jenseits von Stammestreue - persönliche Geschichten von jüdischen Friedensaktivisten“) las. Das Buch ist eine Anthologie von 25 jüdischen Aktivisten, die in verschiedenen Teilen der Welt leben, die dazu gekommen sind, den Konflikt vom palästinensischen Standpunkt aus zu sehen. Für die meisten Juden, die Israel kritisieren, hat das einen Preis – Verwandte und jüdische Freunde sehen dies als Verrat an, sie werden angeklagt, Selbsthasser zu sein, in machen Fällen geht es so weit, dass man ihnen vorwirft, dem nächsten Holocaust den Weg zu ebnen. Aber in den meisten Geschichten geht es nicht darum, welchen Preis sie für ihre Aktivitäten zahlen müssen; es geht um ihre persönliche Reise, die sie (in den meisten Fällen) vom völlig unkritischen Unterstützer Israels und des Zionismus zum Verteidiger der palästinensischen Rechte führt.

Das Buch wurde von Avigail Abarbanel, einer Psychotherapeutin aus England herausgegeben. Sie wurde 1964 in Israel geboren und wuchs in einer ausfälligen Familie auf und war - genau wie die meisten Israelis gegenüber den Palästinensern und ihrem Leid blind. Stattdessen war das jüdischen Leiden ein ständiges Thema. Während ihrer Schulzeit wurde die „Angst vor einem neuen Holocaust wiederholt debattiert“ und sie wurde „gelehrt, dass jeder in der Welt, einschließlich den Arabern, uns hassen, nur weil wir Juden wären. Obwohl die Palästinenser ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ausmachen, hat sie nie verstanden, wer sie sind. Sie erinnert sich: „Ich ärgerte mich, dass rund um uns arabische Länder sind und unser „Feind von innen“ oder „die fünfte Kolonne“, wie die palästinensischen Bürger Israels manchmal genannt wurden und dachte, dass „sie uns ins Meer werfen“ wollen. Ich nahm der Welt übel, dass sie uns nicht zu verstehen schien und immer gegen uns war, und dass es dafür keinen Grund gab außer unserer Jüdischkeit. Ich verstand nicht, warum „sie“ uns nicht in Frieden ließen. Ich dachte, der Grund für unsre Leiden, unsere Sorgen und Unsicherheit liegt draußen. Zusammen mit jedem anderen fühlte ich mich im Stress und unsicher.

Abarbanel verließ später Israel und wanderte nach Australien aus, wo sie Psychotherapie studierte und ihr Diplom machte. Als Studentin war sie gezwungen, ihre Vergangenheit zu untersuchen. Dies geschah auch, während sie „The Iron Wall“ von Avi Shlaim las und führte sie dazu, ihre israelische Staatsbürgerschaft aufzugeben und schließlich den Zionismus ganz und gar abzulehnen.

Ronit Yarosky war sich auch nicht bewusst, wer die Palästinenser sind. Ihre Familie verließ Montreal als sie 14 war und wanderte in Israel ein. Sie machte ihren Militärdienst und wurde in der Westbank stationiert. Die palästinensischen Bewohner dienten als Hintergrundkulisse – sie waren da, hatten aber keine Bedeutung. Die Westbankstädte und Dörfer, in denen sie als Soldat war, waren „namenlos für mich, sie waren „nur“ arabische Städte und deshalb ohne Bedeutung für mein Leben,“ erinnert sie sich. Yaroskys Konversion begann, als sie an ihrer Magisterarbeit – zurück in Kanada – arbeitete. Erst als sie Benny Morris Buch: „The Birth of the Palästinian Refugee Problem” las, wurde ihr klar, dass die jüdischen Siedlungen auf den Ruinen der arabischen Dörfer errichtet wurden, und dass ihr Onkel sogar in einem palästinensischen Haus lebt. Als sie dies ihrer Mutter beibrachte, antwortete diese: „Naja, selbstverständlich.“ Aber die neu entdeckten Tatsachen änderten Ronits Leben, und nun konnte sie gegenüber dem, was den Palästinensern geschah, nicht mehr so tun, als gäbe es sie nicht.

Für andere wie Peter Slezak erschien der Zionismus als solcher nicht in seiner Kindheit. Als Jude in Australien fühlte er sich aber schon in der Grundschule als Außenseiter. Und da die meisten seiner Verwandten Holocaustüberlebende waren, war ihm die Haggadah-Warnung, dass in jeder Generation „sie“ (die nicht-Juden) sich gegen uns erheben, um uns zu zerstören, eine Bestätigung. Slezak, wie viele andere Juden, beunruhigte immer, dass alle Nicht-Juden unvermeidlich antisemitische Gefühle hatten, eine Sorge, die er lange mit sich trug, bis er sie überwunden hatte. Statt den Holocaust als ein Verbrechen der Deutschen gegen Juden anzusehen und einen Beweis dafür, dass ein jüdischer Staat notwendig sei, sah er eine universalistische Botschaft in „Nie wieder!“ einige jüdische Freunde haben dann sogar alle Verbindungen mit Selzak abgebrochen und er ist - in seinen eigenen Worten - „wegen seines pro-palästinensischen Einsatzes ein Paria in seiner eigenen Gemeinde geworden“.

Diese Kultur der Intoleranz wird von dem amerikanischen Musiker Rich Siegel gut erfasst, als er sich selbst als ein „Kult-Überlebender“ beschreibt. Da ist etwas „ernsthaft sehr falsch mit Israel und mit der Kultur gelaufen, die es unterstützt,“ schreibt er. Siegel sollte es wissen. Er war als Teenager ein begeisterter Zionist. Das ging so weit, dass er auf den Straßen 1974 gegen Arafats Erscheinen vor der UN protestierte und dabei sang: “Wir werden jene Syrer töten“. Für Siegel begann das Bild eines unschuldigen Israel, das von Juden-hassenden Arabern bedroht wird, dann zu brechen, als er außerhalb einer Bahnstation von Rhode Island 2004 auf seine Frau wartete. Ein paar Aktivisten, die außerhalb des Bahnhofs standen, hatten ein Buch: Understanding the Palestinian-Israeli Conflict: A Primer, von Phyllis Bennis. Er war geschockt, nachdem er gelesen hatte, wie Juden die Araber von Deir Yassin massakrierten – von dem er bis dahin nichts gehört hatte. Er las weiter über den Konflikt und verstand allmählich, was der Zionismus ist. Einige seiner Freunde und Verwandten waren nun nicht länger mehr Teil seines Lebens. Er bedauerte es nicht.

Ich habe hier nur flüchtige Einblicke in einige der 25 Beiträge gegeben, aber sie verdienen alle vollständig gelesen zu werden. Für einen Nicht-Juden ist es schwierig, sich auf die Heiligkeit des jüdischen Staates zu beziehen. Doch haben alle Völker und Kulturen ihre Tabus und können nicht respektlos betrachtet werden, ohne das Risiko einzugehen, hinterfragt, verfolgt oder ausgeschlossen zu werden. Auf persönlicher Ebene haben wir alle innere Dämonen, die uns zurückhalten, bis wir den Mut haben, ihnen entgegen zu treten.

Es ist kaum überraschend, dass die Angst ein sich wiederholendes Thema in den Geschichten ist. Zionismus gedeiht auf und mit den Ängsten: Angst vor den Arabern, die die Juden töten wollen, nur weil sie Juden sind; Angst vor der nicht-jüdischen Welt, die die Juden nicht versteht, weil in jedem Einheimischen ein Antisemit steckt. Nur durch Herausforderung und einem ihren Ängsten Entgegentreten, können Juden sich vom Zionismus befreien.

Im Nachwort schreibt Abarbanel, dass sie versuchte, für alle 25 Autoren einen gemeinsamen Nenner zu finden. Schließlich fand sie den Terminus, den sie alle teilten „emotionale Unverwüstlichkeit“. Sie definierte es als „Die Fähigkeit, bei sich unbequeme Gefühle zu tolerieren, ohne sie zu vermeiden oder sie verschwinden zu lassen.“ und fügt hinzu, dass dies auch die Fähigkeit einschließt, die Erfahrung zu tolerieren, dass man abgelehnt und von andern zurückgewiesen wird, zuweilen sogar von Verwandten und nahen Freunden.“ Gerade heraus: man hat den Mut, zu dem zu stehen, von dem man überzeugt ist, egal was es kostet.

Dies ist es, was das Buch so inspiriert. 25 Geschichten von Leuten, die kämpfen, weil sie fühlen, was sie nicht zu fühlen vermuteten, weil sie Dinge taten, von denen man nicht annahm, dass sie es tun werden. Sie haben die emotionale Unverwüstlichkeit und den Sinn für Gerechtigkeit, die Richard Goldstone fehlen.


Danke Tlaxcala
Quelle: http://dissidentvoice.org/2011/12/disengaging-from-zionism/
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 07/12/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=6367