Dienstag, 14. Juni 2011

„Ich lese die beiden Bücher, um die politischen Ereignisse in der Welt besser verstehen zu können. Und außerdem mehr über den Ort zu erfahren, an dem ich heute tätig bin“


Tony Blair liest die Bibel und den Koran täglich, sagt er. Denn als Sondergesandter des Nahost-Quartett (USA/EU/Russland/UNO) liest er beide Bücher um die politischen Ereignisse in der Welt besser zu verstehen und außerdem mehr über den Ort zu erfahren, an dem er heute tätig ist. Schön, nur was hat er als britischer Regierungschef damals gelesen?

Blair ein Gottessucher, so titulierte „Die Zeit“ (25.12.2008) ein Interview mit ihm.
Zitat: (Tony Blair)
Eine der seltsamsten Erfahrungen, wenn man so viel Zeit hier verbringt, ist zu sehen, wie all die unterschiedlichen Religionen diesen gemeinsamen Raum im Zentrum von Jerusalem bevölkern, der ein ziemlich kleiner gemeinsamer Raum ist. Erst gestern Abend stand ich auf dem Balkon eines Museums hier. Und dann schauen Sie hinunter auf Gethsemane und den Ort des letzten Abendmahls und wo Golgatha war, wo Christus beerdigt wurde. Aber Sie sehen auch die Al-Aksa-Moschee und dann das Grab von König David. Sie stehen also auf einem Balkon und sehen: Sie können Religion und Politik hier nicht trennen, beides ist ganz entscheidend, um diesen Ort zu verstehen und die Probleme zu verstehen, die wir lösen müssen.
Zitat Ende

Nicht schlecht für einen ehemaligen Irakkrieger. Und die Zeit fragt ihn:
Sie sind zum einen Nahostgesandter der internationalen Gemeinschaft, da müssen Sie Gott meistens außen vor lassen. Gleichzeitig, als Vorsitzender der Tony Blair Stiftung für Glaubensfragen, beschäftigen Sie sich dauernd mit Gott. Kommen Sie sich manchmal selbst in die Quere?
Worauf er antwortete:
Ich rede ja nicht über Religion, wenn ich (als Nahostgesandter;Anm. d. Red.) mit Leuten verhandle über Erleichterungen bei Zugangsbeschränkungen (zu den besetzten Gebieten; Anm. d. Red.) oder über Wirtschaftsfragen. Aber ein maßgeblicher Teil im Versuch, die Probleme der Region zu lösen, besteht darin, Leute dazu zu bewegen, friedlich zusammenzuleben. Das ist ein wenig wie früher in Nordirland. Da haben mir auch Leute gesagt: Aber das hat doch nichts mit Religion zu tun. Dann habe ich geantwortet: Tut mir ja leid, aber eine Menge Leute in diesem Konflikt glauben, es hat mit Religion zu tun.

2009 (2.1.2009) schrieb das Handelsblatt: Wo bleibt Tony Blair?
Bislang blieb er in seiner Rolle als Sonderbeauftragter des Nahost-Quartetts auffällig blass. Mehr als bescheidene Erfolge im Westjordanland kann er nicht vorweisen. Er fordert zwar eine neue Gaza-Politik, doch wie die aussehen soll, hat er noch nicht verraten.

Und jetzt sagt er, dass er die Nahostpolitik erst im Hintergrund der Bibel und dem Koran verstanden hat. Juden und Palästinenser (Moslems) haben ihre politischen Agenden auf ihre heiligen Bücher fundiert. Deshalb ist nach seiner Sicht, dieser Konflikt so schwierig zu lösen. Beide Völker beanspruchen das Land basierend auf der Bibel (Thora) oder dem Koran. Um den Nahost-Konflikt zu verstehen, ist es nötig den geistlich-religiösen Schwerpunkt aus der Sicht der Juden und der Palästinenser näher zukommen.
Blair gibt selbst zu, dass er heute viel mehr über den israelisch-palästinensischen Konflikt weiß als seit 2007 (als er Premierminister und Chef der Labour-Partei war).
Leider ist ihm seit den letzten fünf Jahren nicht viel dazu gelungen.

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